Quelle: Unsplash / pixabay.com

Quelle: Unsplash / pixabay.com

Ansprüche bei einer Flugverspätung

Ausgangspunkt für Ihnen möglicherweise zustehende Ansprüche im Anschluss an eine Flugreise ist die sogenannte Fluggastrechte-Verordnung (EG) Nr. 261/2004. Hat Ihr Flug mindestens drei Stunden Verspätung, dann stehen die Chancen gut, dass Sie Anspruch auf Entschädigung von bis zu 600,00 Euro haben.

Bei einer Flugverspätung haben Sie unter Umständen Ansprüche auf verschiedene Leistungen. In der Regel kommen Ansprüche auf die folgenden Leistungen in Betracht.

Verpflegung

Die Fluggesellschaft muss Sie angemessen versorgen. Das heißt zwar, Sie können kein Gourmetessen erwarten. Gleichwohl sind die Passagiere aber angemessen mit Nahrung zu versorgen, z.B. mit Sandwiches und Wasserflaschen. Die Menge und Art der Versorgung richtet sich nach der Dauer der Wartezeit und der Tageszeit, zu der die Verspätung stattfindet.

Bei einer Verspätung zwischen 6.00 Uhr bis 10.00 Uhr ist als Versorgung etwa Wasser, Kaffee, ein Croissant oder belegte Brötchen angemessen. Eine Verspätung am Abend oder Mittag hingegen, insbesondere wenn es sich um einer besonders lange Verspätung handelt, kann dazu führen, dass eine warme Mahlzeit angemessen ist.

Sollten in unmittelbarer Umgebung am Flughafen entsprechende Geschäfte zur Verfügung stehen, kann die Fluggesellschaft auch Gutscheine oder Bargeld an die Fluggäste verteilen, damit diese sich selbst versorgen können.

Betreuung

Die Fluggesellschaft muss Ihnen zwei Telefonate oder den Versand von zwei Faxen oder zwei E-Mails ermöglichen. Verzögert sich der Abflug auf den nächsten Tag, besteht Anspruch auf Unterbringung in einem Hotel mit Transfer.

Ausgleichszahlung

In bestimmten Fällen haben Sie Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Diese ist unabhängig vom Kaufpreis Ihres Tickets und beträgt bis zu 600,00 Euro. Es handelt sich dabei um einen pauschalierten Schadenersatz, der Sie für die Verspätung entschädigen soll.

Wann habe ich Anspruch auf Verpflegung und Betreuung?

Bei Verspätungen ab zwei Stunden kommen Ansprüche auf Verpflegung und Betreuung in Betracht.

Ein Anspruch auf Verpflegung und Betreuung kommt in Frage, wenn Ihre Flugreise die folgenden Kriterien erfüllt:

  • Flugstrecke: bis 1.500 Kilometer
  • Verspätung: Abflug um mindestens 2 Stunden verspätet
  • Flugstrecke: über 1.500 Kilometer innerhalb der EU
  • Verspätung: Abflug um mindestens 3 Stunden verspätet
  • Flugstrecke: 1.500 bis 3.500 Kilometer zwischen EU-Mitgliedsland und Nicht-EU-Mitgliedsland
  • Verspätung: Abflug um mindestens 3 Stunden verspätet
  • Flugstrecke: über 3.500 Kilometer zwischen EU-Mitgliedsland und Nicht-EU-Mitgliedsland
  • Verspätung: Abflug um mindestens 3 Stunden verspätet

Wichtig: Sie müssen sich rechtzeitig am Check-In eingefunden haben – mindestens 45 Minuten vor Abflug!

Wann habe ich Anspruch auf Ausgleichszahlung?

Liegt eine Verspätung von mindestens drei Stunden vor, dann ist es wahrscheinlich, dass Sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlung haben. Wichtig ist überdies, dass sich Abflug- und/oder Landeflughafen in einem Mitgliedsland der Europäischen Union befindet und dass es sich um eine Fluggesellschaft mit Sitz in der Europäischen Union handelt. Die Höhe der Ausgleichszahlung richtet sich im Wesentlichen nach der Verspätung sowie der Distanz der Flugstrecke:

  • kurze Flugstrecke(bis zu 1.500 Kilometer): 250,00 Euro
  • mittlere Flugstrecke(über 1.500 Kilometer): 400,00 Euro
  • lange Flugstrecke(über 3.500 Kilometer): 600,00 Euro

Bei Flügen mit einer Distanz von 3.500 Kilometern, die eine Verspätung von maximal 4 Stunden haben, kann die Fluggesellschaft die Ausgleichszahlung um die Hälfte kürzen, sodass es unter Umständen bei einer Zahlung von 300,00 Euro verbleiben würde.

Berechnung der Verspätung

Die Verspätung orientiert sich an der Ankunftszeit, nicht an der Abflugszeit. Der Flieger muss also mindestens drei Stunden verspätet ankommen. Damit stellt sich die Anschlussfrage: Ab wann genau gilt der Flieger als angekommen?

Dies wurde vom EuGH im September 2014 eindeutig geklärt, Az. C-452/13. Der Flieger gilt als angekommen, wenn mindestens eine Tür des Fliegers vollständig geöffnet und das Aussteigen den Passagieren möglich ist.

Das richtige Vorgehen bei einer Flugverspätung

Wenn Ihr Flieger sich verspätet, sollten Sie sich bestenfalls noch am Flughafen die Verspätung schriftliche bestätigen lassen. Achten Sie darauf, dass sowohl die verspätete Ankunftszeit als auch der Verspätungsgrund schriftlich festgehalten wird. Ferner ist es hilfreich, wenn Sie Kontaktdaten mit anderen Passagieren austauschen. Des Weiteren sollten Sie alle Rechnungen, Tickets der Reise und insbesondere von Ausgaben, die durch die Verspätung hervorgerufen worden sind, aufbewahren. Machen Sie die Fluggesellschaft während der Dauer der Verspätung auf Ihren Anspruch auf Betreuung und Versorgung aufmerksam und bestehen Sie auf deren Erfüllung.

Checkliste:

  • Verspätungsdauer und Verspätungsgrund schriftlich bestätigen lassen
  • Kontaktdaten mit anderen Passagieren austauschen
  • Rechnungen, Tickets der Reise zu Beweiszwecken aufbewahren
  • Machen Sie Ihre Betreuungs- und Versorgungsansprüche während der Verspätung geltend
  • Beantragen Sie auf euflieger.de Ihre Sofortentschädigung

Kann ich meine Ansprüche auch selbst durchsetzen?

Selbstverständlich können Sie auch selbst die Ihnen zustehenden Ansprüche gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen. Leider zeigt unsere Erfahrung in der Praxis, dass die Fluggesellschaften sich gegenüber Privatpersonen weniger kooperativ zeigen und das eigenständige Anschreiben selten Erfolg hat. Wenn es Ihnen die Zeit und die Nerven wert sind, spricht nichts dagegen, dass Sie zunächst versuchen, Ihre Ansprüche auf eigene Faust geltend machen.

Wichtig: Oft versuchen Fluggesellschaften Sie mit Gutscheinen zufriedenzustellen. Sie sind keinesfalls verpflichtet, diese anzunehmen. Die Fluggastrechteverordnung gibt Ihnen einen Anspruch auf eine Geldzahlung. Lassen Sie sich also nicht mit weniger abspeisen als Ihnen zusteht!

Keine Ansprüche bei Verspätung durch außergewöhnliche Umstände

Beruht die Verspätung auf außergewöhnlichen Umständen, dann besteht kein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Außergewöhnlich sind Umstände nur dann, wenn sie ein Ereignis darstellen, das nicht Teil der normalen Tätigkeit der betroffenen Fluggesellschaft ist und aufgrund seiner Natur oder Ursache von der Fluggesellschaft nicht zu beherrschen ist. Beispielhaft sind hier zu nennen:

  • Unwetter
  • unkalkulierbares Sicherheitsrisiko durch politische Instabilität im Land des Zielflughafens

WICHTIG:

Technische Mängel stellen oftmals keinen außergewöhnlichen Umstand dar. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass Fluggästen auch dann eine Entschädigung zusteht, wenn die Verspätung wegen unerwarteter technischer Probleme entstanden ist. Denn jeder Defekt kann irgendwann eintreten und ist daher für die Fluggesellschaft nicht unvorhersehbar. Die Fluggesellschaft muss und kann durch regelmäßige Kontrolle und Wartung Ihrer Maschinen das Auftreten eines Defekts verhindern. Gelingt ihr das nicht, muss die Fluggesellschaft Sie entschädigen.

Lassen Sie sich Ihre Entschädigung sofort auszahlen!

Wir kaufen Ihnen Ihre Forderung ab. Sie können die Entschädigung in jedem Fall behalten – egal ob wir die Forderung gegenüber der Fluggesellschaft durchsetzen können oder nicht. Fordern Sie jetzt unverbindlich Ihre Entschädigung an.